Nordische Märchen und Sagen

"Nicht fahrend und nicht reitend...."


Es war einmal ein Königssohn der hatte um die Hand eines Mädchen angehalten. Doch als er sie gut genug kennen gelernt hatte, war er plötzlich der Meinung er solle das Heiraten bleiben lassen und so wollte er sie wieder loswerden. Ihm war aus irgend einem Grunde das hübsche Mädchen plötzlich nicht mehr fein genug! Weil er sich aber nicht traute ihr dies offen zu sagen, versuchte der Königssohn es auf eine elegante Art. Er sagte zu ihr das er sie zur Frau nehmen wolle, wenn sie zu ihm käme und zwar: nicht fahrend und nicht reitend, nicht gehend und nicht rodelnd, nicht hungrig und nicht satt, nicht nackend und nicht bekleidet, aber auch weder am Tage noch in der Nacht! Als die überraschte Braut diese Worte hörte, war sich der Königssohn sicher, dass sie die ihr gestellte Aufgabe nie und nimmer lösen würde. Sie aber war nicht nur hübsch, sondern auch sehr schlau. Zuerst nahm sie ein Gerstenkorn und aß es. Jetzt war ihr Magen nicht mehr nüchtern, aber sie war auch nicht satt. Danach besorgte sie sich ein Netz aus Wolle und warf es sich über ihren Körper und somit war sie weder nackt aber auch nicht bekleidet. Dann ging sie in den nahe gelegenen Stall, nahm sich einen Schafbock und setzte sich auf ihn und stakte so mit dem Schafbock unter ihrem Körper in Richtung Schloss, während sie ihre Beine auf dem Boden hinter sich her schleifen ließ. Damit sie aber auch die letzte Bedingung des Königssohn erfüllte, machte sie die ganze Aktion auf der Grenze zwischen Tag und Nacht. Genau zu jenem Zeitpunkt, an dem die erste Dämmerung anbrach. Als sie in ihrer eigenartigen Aufmachung das Schlosstor erreicht hatte und den Königssohn sprechen wollte, mochte ihr die Schlosswache nicht aufmachen. Denn zu skandalös sah sie in ihrer wunderlichen Aufmachung aus und es entstand schließlich ein heftiger Wortwechsel der immer lauter wurde. So laut, das schließlich sogar der Königssohn davon wach wurde. Neugierig begab er sich an sein Fenster und blickte hinunter zum Eingang. Als das Mädchen ihn hinter der Fensterscheibe erkannte, stakte sie mit dem Schafbock genau unter das Fenster des Königssohn, drehte dem Bock ein Horn ab, stellte sich flugs auf seinen Rücken und klopfte mit dem Horn kräftig an die Fensterscheibe. Da musste man das Mädchen schließlich einlassen und der Königssohn sie zu seiner Prinzessin machen.                                                   (Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt - gelesen in: www.maerchen.de)

"Der Teufel und der Vogt"
Es war einmal ein Vogt der überall gefürchtet und verhasst war. Ein Leuteschinder wie man ihn nie zuvor erlebt hatte. So war es nicht weiter verwunderlich, das eines Tages der Teufel kam und den Menschenschinder holen wollte. Als der Teufel den Vogt erblickte, sprach er ihn an und sagte: "Die Leute haben mir schon viel schlechtes von dir berichtet und sie sagen, das dich der Teufel holen soll! Deshalb musst du jetzt mit mir gehen! Denn du bist bereits so schlecht und bösartig, das du schlimmer gar nicht mehr werden kannst!" Da antwortete der Vogt mit triefender Stimme: "Wenn du auf alles hörst was die Leute so reden wenn der Tag lang ist, hast du mehr zu laufen als dir lieb ist. Aber wenn du so ein netter Mann bist und alles machst, was die Leute wollen, werde ich vielleicht noch einmal davon kommen." Da der Vogt zudem ein Mann war, der sehr gut reden und die Leute beschwatzen konnte und der Teufel auch noch ein ziemlich gutmütiger Geselle war, einigten sie die Beiden schließlich ein kleines Stück Weg zusammen zu gehen. Jedes mal, wenn ihnen ein Mensch begegnete und fluchte, das der Teufel jemanden holen soll, dann sollte der Teufel dies tun und dafür den Vogt laufen lassen! Aber dieser Wunsch musste auch von Herzen kommen, so die Bedingung des Teufels. Als der Vogt und der Teufel bereits ein gutes Stück Weg gelaufen waren, erreichten sie eine kleine Hütte, vor der eine alte Frau gerade Butter zubereitete. Als die Frau die fremden Leute kommen sah, schaute sie neugierig zu ihnen hinüber und vergaß dabei auf ihr kleines Hausschwein zu achten, das just im selben Moment seine Schnauze in das Butterfass steckte und es dabei um stieß. Schmatzend machte es sich gleich über den Rahm her, während die Bäuerin laut fluchend anfing zu schimpfen: "Gibt es ein schlimmeres Raubtier als so ein nichtsnutziges verfressenes Schwein? Der Teufel soll dich holen!"Als der Vogt die Worte der alten Frau hörte, sah er den Teufel und sprach: "Also Teufel! Nehme dir das Schwein und lass mich laufen!" der Teufel aber sagte: "Glaubst du wirklich sie gönnt mir das saftige Schweinefleisch? Nehme ich das Schwein, was hätte die arme Frau dann im Winter wohl zu essen? Nein, nein! Diese Worte kamen nicht von Herzen!" Kurze Zeit später erreichten der Teufel und der Vogt die nächste Hütte. Hier hatte gerade ein kleiner Junge richtigen Blödsinn gemacht und seiner Mutter einen Streich gespielt. Schon von weitem hörten der Teufel und der Vogt die Mutter schimpfen und rufen: "Oh wie ich dich satt habe! Immer muss ich auf dich aufpassen, sauber machen und hinter dir herwischen! Der Teufel soll dich holen!" "Also hole dir den Jungen!" sprach da der Vogt und schaute dabei den Teufel frohgemut an. "Nein! Wenn eine Mutter auf ihr Kind schimpft, dann kommt es nicht wirklich von Herzen." und verweigerte dem Vogt seinen Wunsch indem er wieder ablehnte. Also gingen sie weiter des Weges und der Vogt sann über einen Ausweg nach. Gerade als sie in eine Wegbiegung kamen, begegneten ihnen zwei Bauern die sich unterhielten."Dort kommt unser Vogt!" sagte der eine Bauer. "Ja, der Teufel soll ihn bei lebendigen Leib holen!" entgegnete der andere Bauer. "Das kam von Herzen!" sprach darauf der Teufel und nahm den Vogt für immer mit in die Hölle. Denn jetzt half dem Vogt kein Bitten und kein Bettel, so laut und verzweifelt er dabei auch schrie. Er musste mit! (Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt - gelesen in www.maerchen.de)

"Per und das Wettessen mit einem Troll"
Auf einem Hof weit oben im Norden Europas lebte ein Bauer mit seiner Frau und seinen drei Söhnen. Der Bauer und seine Frau waren bereits sehr alt und betagt und es ging ihnen nicht gut. Der Hof war verschuldet und auch die Vorratskammer nur kärglich gefüllt. Also rief eines Tages der Bauer seine Söhne zu sich und sprach: "Wir haben doch auf unserem Anwesen noch diesen schönen Wald unten am Fjord. Wir sollten die Bäume fällen und damit endlich unsere Schulden bezahlen und auch die Vorratskammer für den Winter könnten wir aus dem Erlös des Holzverkauf dann wieder ordentlich füllen. Doch seine Söhne waren nicht so fleißig wie der Bauer. Sie liebten eher das Nichtstun und lagen die meiste Zeit nur faul in der Sonne. So dauerte es einige Zeit, denn der Bauer musste seine Söhne immer wieder drängen endlich einmal zu arbeiten, bis sich eines Tages doch noch der älteste Sohn dazu bequemte hinunter an den Fjord zu gehen, um die ersten Bäume zu fällen. Als dieser jedoch unten am Fjord den Wald ereichte, stand plötzlich zwischen den Bäumen ein großer Troll und sagte: "Das ist mein Wald, und wenn du nur einen einzigen Baum davon fällst, werde ich dich erschlagen!" Als der älteste Sohn diese Worte vernahm, erschrak er fürchterlich, lies seine Axt fallen und rannte voller Angst nach Hause. Völlig außer Atem kam er zu Hause an, wo ihn der Vater bereits erwartete. Als dieser hörte das sein Ältester vor einem Troll davon gerannt war, schalt er ihn einen Feigling und meinte, dass ihm so etwas früher nie passiert wäre.Am nächsten Tag machte sich der zweite Sohn auf dem Weg um sein Glück zu versuchen. Aber auch ihm erging es nicht viel besser als seinem älteren Bruder. Denn kaum hatte er den ersten Axtschlag gegen eine alte Tanne getan, stand plötzlich wieder dieser übergroße Troll zwischen den Bäumen und sagte: "Das ist mein Wald, und wenn du auch nur einen einzigen Baum stehlen wirst, werde ich dich erschlagen!" Als der Bauernbursche diese Worte vernahm, bekam er eine so große Angst, das er sich noch nicht einmal getraute den Troll anzusehen. Laut schreiend ließ er seine Axt fallend und ergriff die Flucht. Daheim hatte der Vater bereits auf ihn gewartet. Als er sah das auch sein zweiter Sohn unverrichteter Dinge nach Hause gekommen war, schalt er ihn einen Feigling, und meinte kopfschüttelnd, das ihm in seiner Jugend so etwas nicht passiert wäre.Am dritten Tag wollte Aschenper sein Glück versuchen. Er war der jüngst Sohn des Bauern und ein rechter Träumer. Meist saß er stundenlang am offenen Feuer und stak gedankenverloren mit einem Stück Holz in der Glut. So war es auch nicht verwunderlich, das er mit der Zeit den Spitznamen Aschenper bekommen hatte, weil er ja immer in der Asche herum stocherte. Doch bevor er sich auf den Weg machte, bat er seine Mutter noch um etwas Wegzehrung, während seine Brüder bereits laut über ihn lästerten: "Ach du kleiner Träumer, wieso denkst denn du, das ausgerechnet dir das gelingt, was schon wir nicht geschafft haben? Du hast den Hof doch noch nie verlassen, geschweige denn einen Troll gesehen. Der wird dich schnell davon jagen, und wir werden dich rennen sehen wie einen Hasenfuss!" Aber statt seinen Brüdern zu antworten, zog es Aschenper lieber vor zu schweigen und dachte sich seinen eigenen Teil. Nachdem er seine Wegzehrung von seiner Mutter erhalten hatte, ein großes Stück Molkekäse, packte er diesen in seinen Rucksack aus Fell, schulterte ihn auf seinen Rücken und machte sich schließlich auf den Weg. Es dauerte nicht lange und er hatte den Waldrand unten am Fjord erreicht. Kaum war er dort angekommen, legte er seinen Rucksack auf einen nahem Baumstumpf, packte seine Axt aus und begann mit der Arbeit. Er hatte bereits die ersten Schläge an einem fast zwanzig Meter hohen Baum getan, als plötzlich auch schon wieder dieser übergroße Troll zwischen den Bäumen auftauchte und die gleichen Worte sagte, wie die Tage zuvor zu seinen beiden Brüdern: "Das ist mein Wald! Wenn du nur einen einzigen Baum daraus fällst, werde ich dich töten!" Doch Aschenper war nicht auf den Mund gefallen und Angst hatte er auch keine. Er eilte zu seinem Rucksack, holte den Molkekäse heraus und drückte diesen, so stark er konnte, mit beiden Händen zusammen und das Wasser spritzte nur so heraus. "Hast du gesehen wie stark ich bin? So wie ich diesen weißen Stein zusammendrücke, werde ich es auch mit dir tun, wenn du nicht sofort still bist!" Da bekam der Troll einen gehörigen Schreck und bettelte: "Ach bitte verschone mich, ich werde dir dafür auch bei deiner Holzfällerarbeit helfen!" Also gut, dachte sich Aschenper, wenn er mir hilft, werde ich ihn verschonen. Die beiden legten sich darauf richtig ins Zeug und auch der Troll war recht fleißig und am Abend hatten sie fast zwei ganze Holzstapel sauber aufgereiht vor sich stehen. Als die Sonne langsam rötlich unterging und der Wald bereits in einem immer dunkler werdenden Grau vor ihnen lag, und die Nacht immer näher kam, meinte der Troll: "Es ist Zeit zum Feierabend machen, lass uns zu mir gehen, denn mein Weg nach Hause ist bei weitem nicht so weit, wie dein Heimweg."Also gut, dachte sich Aschenper und ging mit dem Troll mit. Nach einiger Zeit erreichten sie die Höhle des Troll und dieser machte sich daran ein Lagerfeuer zu entfachen. Zur gleichen Zeit sollte der Bauernsohn Wasser für eine Weizengrütze holen. Doch die dafür vorgesehenen Eisenkessel waren so schwer, das der Junge sie unmöglich alleine hätte anheben können. Also sagte Aschenper, schlitzohrig wie er war, zum Troll: "Hast du nur diese kleinen Töpfe zum Wassertransport? Damit lohnt es sich ja gar nicht Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen? Wie oft soll ich mit diesen kleinen Behälter denn dann zum Brunnen laufen? Am besten ist es, wenn ich gleich den ganzen Brunnen in die Höhle hole!" Da bekam der Troll einen Schreck und antwortete eilig: "Nein, tu das nicht lieber Freund. Ich möchte den Brunnen doch noch behalten. Dann mach du lieber das Feuer und ich hole Wasser!" Nachdem der Troll das Wasser geholt hatte, machten sich die Beiden eine wunderbare Weizengrütze. So gut und so viel, dass der Eisenkessel bis zum Rand gefüllt war. Nachdem die Grütze fertig war, meinte Aschenper zum Troll:"Was denkst du? Wollen wir nicht um die Wette essen?" "Oh ja!" sprach der Troll, denn er war sich sicher, endlich einmal gegen den Bauernsohn gewinnen zu können. Also setzten sich Aschenper und der Troll an den Tisch und der Troll begann die Teller zu füllen, während Aschenper heimlich seinen mit Fell bezogenen Rucksack zu sich holte und ihn vor seinen Bauch band. Beim Essen, aber schüttete der Junge den Großteil der Weizengrütze immer Löffelweise in den Rucksack und nur ab und zu in seinen Mund. Nachdem der Rucksack voll mit herrlicher Grütze war, nahm der Junge ein Messer und schnitt ein Loch in seinen aus Fell bestehenden Rucksack. Der Troll beobachtete den Bauernsohn bei seinem Tun ohne jedoch dazu etwas zu sagen und löffelte weiter still seine Grütze in sich hinein. Nach einiger Zeit gab der Troll einen lauten Rülpser von sich, legte seinen Löffel zur Seite und meinte schwer schnaufend: "Jetzt bin ich aber voll bis obenhin, satt bis zum Überdruss, ich kann wirklich nicht mehr essen!" "Das ist schon alles?" entgegnete der Junge. "Ich bin ja noch nicht einmal halb satt. Am besten du machst es wie ich! Schau nur, du schneitest dir einfach ein Loch in den Bauch, und schon kannst du weiter essen, und zwar soviel wie du möchtest!" Doch der Troll zögerte und fragte zweifelnd den Jungen: "Tut das denn nicht grässlich weh? So ein Loch mitten im Bauch?" "Ach was, es ist überhaupt nicht der Rede wert!" gab Aschenper zur Antwort. Da nahm der Troll ein Messer vom Tisch und schnitt sich damit seinen Bauch auf. Kaum hatte er dies getan, musste er qualvoll sterben. Denn welches vernünftige Wesen schneitet sich schon den Bauch freiwillig auf? Als der Troll tot war, nahm Aschenper all das ganze Gold und Silber das der Troll in all den Jahren in seiner Höhle angehäuft hatte und begab sich auf den Weg nach Hause. Dort war das Staunen seiner Brüder groß und seine Eltern freuten sich ihren jüngsten Sohn wieder wohl behalten bei sich zu haben.           Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute glücklich und zufrieden irgendwo an einem nordischen Fjord, denn Not mussten sie jetzt nicht mehr leiden!                                       (Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt
- gelesen in: www.maerchen.de)

"Der Pfarrer und der Glöckner"
Es war einmal ein Pfarrer und der war ein gar schlimmer Mann. Jedes mal wenn er mit seinem Pferdegespann samt Wagen unterwegs war und ihm kam jemand auf der engen Straße entgegengefahren, dann schrie er bereits von weitem lauthals: "Aus dem Weg! Platz gemacht! Hier kommt der Pfarrer!" Doch eines Tages geschah es, das ihm der König selbst entgegen fuhr. Schon von weitem schrie der Pfarrer, nichts ahnend das es der König war der ihm da entgegen kam: "Platz gemacht! Ich bin es, der Pfarrer! Also geht mir aus dem Weg und macht Platz!" Doch der König war eben der König! Und der König fuhr einfach geradewegs weiter und dem Pfarrer blieb also nichts anderes übrig, als sein Pferd auf die Seite zu lenken und selber Platz zu machen. Dem König war die Dreistigkeit des Pfarrers aber nicht entgangen und so sagte er beim Vorbeifahren zum Pfarrer: "Morgen hast du dich auf dem Königshof zu melden! Ich werde dir dann für deine Frechheit drei Fragen stellen. Kannst du diese dann nicht beantworten, so werde ich dich für deinen Hochmut bestrafen lassen und wirst deinen Mantel samt Kragen verlieren!" Ja, das war eine andere Sprache, als sie der Pfarrer es sonst gewohnt war! Rumschreien, grölen und die kleinen Menschen herunterputzen und ihnen derb und grob kommen, das konnte er! Aber Rede und Antwort stehen? Das war nicht sein Fall! Voller Sorgen und Angst vor dem König fuhr er schließlich weiter nach Hause. Dort begab er sich eilig zum Glöckner der bei den Leuten im Ruf stand, mehr Verstand als der Pfarrer zu haben! Beim Glöckner angekommen sagte er zu ihm: "Ich soll zum König und ihm drei Fragen beantworten! Aber ich habe keine rechte Lust zu dieser Fahrt. Denn ein Narr fragt mehr als zehn Weise beantworten können!" Da der Glöckner zudem ein hilfsbereiter Mensch war, willigte dieser schließlich ein und fuhr an Stelle des Pfarrer am nächsten Tag zum Königshof. Damit der Schwindel aber nicht aufflog, gab der Pfarrer dem Glöckner auch noch seinen Mantel samt Kragen mit auf den Weg. Angetan mit dem Mantel und Kragen des Pfarrers erschien der Glöckner schließlich am Hofe des König, wo ihn dieser bereits mit aufgesetzter Krone, prächtig gekleidet und mit dem Zepter in der Hand erwartete. "Na, da bist du ja endlich", sprach der König und fing auch schon gleich mit seinen drei Fragen an! "Sage mir als erste Antwort, wie weit ist es von Osten bis nach Westen?" - "Eine Tagesreise", antwortete der Glöckner und der erstaunte König fragte: "Wieso?" - "Nun, die Sonne geht weit im Osten auf und im Westen unter und das macht sie bequem an einem einzigen Tag!" Nachdem sich der König mit der Antwort zufrieden geben musste, kam schließlich auch gleich seine nächste Frage: "Sage mir, was ich wohl Wert bin in all meiner Pracht samt Krone, Zepter und goldener Kleidung in der du mich hier siehst?" - "Jesus Christus wurde einst auf dreißig Silberlinge geschätzt! Da kann ich dich als König wohl nicht höher bewerten als neunundzwanzig Silberlinge", war die Antwort des Glöckner und der immer noch erstaunte König sprach ob der klugen Worte seines Gegenüber: "Nun gut! Aber wenn du wirklich so gut und überaus klug bist, dann kannst du mir doch sicherlich auch sagen, was ich gerade denke?" Da antwortete der Glöckner: "Doch, auch das weiß ich. Du denkst der Pfarrer steht vor dir! Aber entschuldigt bitte, denn ich kann nichts dafür und ihr denkt falsch. Ich bin in Wirklichkeit der Glöckner!" Da sprach der König zum Glöckner: "In Ordnung. Dann mach, dass du nach Hause kommst und sei ab heute du der Pfarrer und lass den anderen Glöckner sein!" So kam es schließlich, das von nun an aus dem Glöckner ein bis ans Ende seiner Tage guter und allseits beliebter Pfarrer wurde, der seiner Gemeinde immer mit kluge Ratschläge und guten Taten hilfreich zur Seite stand.               (Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt
- gelesen in: www.maerchen.de )

"Die Katze auf dem Dovreberg"
Es war einmal ein Mann der weit im Norden lebte. Genau in jenem Teil Norwegens, den man noch heute die Finnmark nennt. Eines Tages fing dieser Mann einen Eisbären und er beschloss, den Eisbären dem König von Dänemark als Geschenk zu bringen. Also machte er sich mit dem Eisbären auf den Weg. Nachdem er bereits ein gutes Stück des Weges zurückgelegt hatte, brach früh die Dämmerung herein und er beschloss für sich und den Eisbären eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Als er nicht weit von sich eine Holzhütte sah, hinter deren Fenster ein Licht brannte, ging er auf sie zu und klopfte an die Tür. Es war das Haus von Halvor und der Zufall wollte es, das sich die Geschichte von der ich hier berichte, sich genau am Julabend zutrug. Für jene von euch, die nicht wissen was mit dem Julabend gemeint ist, sei auch dieses Geheimnis gelüftet. So nennt man in Norwegen den Weihnachtsabend. Und wie bei uns in Deutschland, ist auch Norwegen an diesem Abend der Tisch mit vielerlei Köstlichkeiten und gutem Essen reichlich gedeckt. Nachdem der Mann mit seinem Eisbären um eine Unterkunft gebeten hatte, antwortete Halvor voller Entsetzen: "Um Gottes Willen. Ich würde euch ja gerne helfen! Aber am Julabend kommen immer so viele Trolle zu uns ins Haus, das wir selber flüchten müssen und die ganze kalte Nacht im Wald verbringen müssen und selber kein Dach über dem Kopf haben!" "Ach, da macht euch mal keine Sorgen guter Mann. Deswegen kannst du mich ruhig bei dir übernachten lassen. Ihr könnt ruhig die Nacht im tiefen Wald verbringen, ich aber kann ja im Alkoven schlafen und der Bär hinter dem Ofen." Wobei ich anmerken möchte, das man unter dem Wort Alkoven einen Bett ähnlichen Platz über dem Ofen versteht, ähnlich einer Schlafnische, wie man sie auch heute noch in alten Bauernhäuser von Russlands vorfindet.Halvor war zunächst sehr skeptisch. Auch wollte er nicht, das seinem späten Gast womöglich von den Trollen ein Leid angetan wurde. Der Mann mit dem Eisbär aber redete so lange auf Halvor ein, bis dieser schließlich einwilligte. Danach ging Halvor mit seiner Familie in den tief verschneiten Wald, während sein Gast mit dem Eisbär das Haus betrat. Drinnen war es angenehm warm und der Tisch war festlich gedeckt. Halvor und seine Familie hatten den Tisch überaus reichlich gedeckt um die Trolle friedlich zu stimmen. Da standen Julgrütze, eine Kanne voller köstlichen Rahm, gelauchter Kabeljau, ein selbst gebackenes und noch warmes Brot und verschiedene Sorten von Wurst. Es dauerte auch nicht lange und zu vorgerückter Stunde kamen die ersten Trolle. Einige waren groß, dick und stark behaart und andere klein. Manche von ihnen hatten einen dicken, kugelrunden Bauch und wieder andere ein dickes Hinterteil, während wieder andere keins hatten. Dann wieder gab es Trolle mit einer langen Nase, während andere wieder einen richtigen Nasenstumpen in der Gesichtsmitte hatten, der sehr an eine zu groß geratene Kartoffel erinnerte. Aber wie sie auch aussahen, alle langten voller Heißhunger zu und ließen es sich gut schmecken. Das Geschmatze, Geschlürfe und Gelächter war so laut, das man es noch bis tief in die nordischen Wälder hören konnte. Nur der fremde Gast und sein Eisbär bekamen davon nichts mit. Denn von ihrem langen Fussmarsch waren sie redlich müde und schnell und ermüdet in einen tiefen Schlaf gefallen. Plötzlich bemerkte eines der Trollkinder den Eisbären hinter dem Ofen und bestaunte es voller Neugier. Dann ging es flugs zum Tisch, nahm eine Wurst, steckte sie auf einen Spies und briet diese über dem offenen Feuer des Ofen. Mit dem Spies in der Hand ging das Trollkind schließlich voller Übermut wieder zu dem schlafenden Eisbär und hielt dem ahnungslosen Tier die Wurst so nah unter die dicke Nase, das diese angesenkt wurde. Dabei lachte das kleine Trollkind voller Freude und rief laut: "Willst du eine Wurst haben? Du süße große Katze!" Da fuhr der Eisbär wütend und mit lautem Brummen hoch und jagte alle Trolle aus dem Haus. Am nächsten Morgen waren noch so viele Köstlichkeiten da, das nicht nur der Gast mit seinem Eisbären genug zu essen hatten, sondern auch Halvor und seine Familie, die sich nach ihrer Rückkehr sehr wunderten, weshalb von all den Speisen noch so viel übrig geblieben war, das die Trolle einige scheinbar gar nicht angerührt hatten? Nachdem der Gast mit seinem Eisbär das Haus verlassen hatten und ein weiteres Jahr ins Land gegangen war, begab es sich, das Halvor wieder am Nachmittag des Julabend in den Wald zog um Holz für den Julabend zu besorgen, während seine Frau bereits den Tisch zum Abendessen festlich deckte. Halvor war gerade dabei einen weiteren Baum für sein Brennholz zu fällen als er seinen Namen rufen hörte: "Halvor! Halvor!" Erstaunt hob Halvor seinen Kopf, blickte sich um und antworte: "Ja? Was ist denn?" Denn nur einige Meter von ihm entfernt stand ein Troll und rief ihm zu: "Halvor? Hast du noch deine große weiße Katze die so laut und fürchterlich brummt?" Da wusste Halvor Bescheid und antwortete mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht: "Ja natürlich! Die liegt unterm Ofen und hat inzwischen sieben Junge geworfen! Die sind schon größer und viel wilder als sie selbst!" "Dann kommen wir nicht mehr zu dir!" rief der Troll ängstlich zwischen Bäumen hervor und verschwand im Unterholz. Seit jenem Tag haben die Trolle auf den festlich geschmückten Tisch von Halvor und seiner Familie verzichtet. Halvor, seine Frau und seine Kinder konnten von nun an jeden Julabend voller Freude ungestört genießen.     (Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt
- gelesen in: www.maerchen.de)

                  

 

                            Sagen und Märchen aus Island

alle entnommen aus dem Buch "Sagen und Märchen aus Island"

herausgegeben 1980 von Iceland Review, Reykjavik, Island

übersetzt von Hubert Seelow

 

Die Elfenfrau im Kindbett

Im Osten, man sagt in Oddi, holte ein Mädchen eines Abends Wäsche vom Kirchhof; und gerade als sie die Wäsche nehmen wollte, kam ein Mann zu ihr, den sie nicht kannte. Er nimmt sie bei der Hand und bittet sie, mit ihm zu kommen und sagt, es werde ihr nichts geschehen, "aber wenn du es nicht tun willst," sagt er, "dann wist du sehen, dass sich dein Glück wendet." Das Mädchen wagte nicht, ihm seine Bitte abzuschlagen, und geht mit ihm, bis sie zu einem Hof kommen, wie ihr schien, in Wirklichkeit war es aber ein Hügel; dann gehen sie zum Eingang des Hauses; er führt sie hinein und durch einen langen Gang, bis sie in die Badstube kamen. Am einen Ende der Badstube war es so dunkel, dass sie nichts sehen konnte, doch am anderen Ende brannte Licht. Dort sah sie eine Frau in den Wehen liegen, die stähnte und konnte ihr Kind nicht gebären. Neben ihr sah sie eine alte Frau, die war sehr betrübt. Der Mann, der das Mädchen geholt hatte sagte zu ihr: "Geh hin und hilf meiner Frau, dass sie das Kind gebiert." Das Mädchen ging dorthin, wo die Frau lag, die alte Frau aber ging fort, und das Mädchen trat hinzu und knetete die Frau, die in den Wehen lag, um ihr zu helfen, und wie sie wußte, dass es nötig war; da ging es der Frau schnell besser, so dass das Kind bald geboren wurde. Und als das Kind geboren war, kam der Vater des Kindes mit einem Glas und sagte, sie sollte dem Kind vom Inhalt des Glases auf die Augen streichen, warnte sie aber davor, etwas davon in ihre Augen kommen zu lassen. Sie strich dem Kind vom Inhalt des Glases auf die Augen, doch als sie das getan hatte, rieb sie sich mit dem Finger über das eine Auge. Da sah sie mit diesem Auge, dass auf der anderen Seite der Badstube viele Leute waren. Der Mann nahm ihr das Glas ab und trug es fort, kam dann wieder und dankte ihr für ihre Hilfe, und ebenso die Frau. Sie sagten, sie würde eine glückliche Frau werden. Er schenkte ihr dann Stoff für eine Schürze, wie sie noch nie einen gesehen hatte. Dann nahm er sie bei der Hand und führte sie fort, bis er mit ihr zu dem Kirchhof kam, von dem er sie weggeführt hatte, und geht dann fort, sie aber geht heim zum Pfarrhof.

Im Winter darauf starb die Frau des Pfarrers, der dort war, und dieses Mädchen wurde seine neue Frau. Oft sagte sie, sie sähe Elfen. Immer wenn sie sah, dass sie ihr ausgebreitetes Heu bei sich zusammenrechten, dann ließ auch sie das Heu bei sich zusammenrechen, denn kann kam bald Regen, auch wenn die Luft klar war. Einmal ritt sie mit ihrem Mann, dem Pfarrer, in die Stadt. Als sie einkaufte, sah sie dort den besagten Elfenmann, wie er Waren aus dem Laden des Elfenkaufmanns, der dort war, heraustrug. Da beging sie den Fehler, dass sie ihn grüßte und sagte: "Guten Tag, mein Freund, wir haben uns lange nicht gesehen." Da ging er zu ihr hin, steckte rasch einen Finger in den Mund und strich ihr damit über das Auge, sie aber wurde dadurch so, dass sie von da an nie mehr Elfen oder deren Taten sah.      

Vater von achtzehn Kindern im Elfenreich

Es war eines Sommers auf einem Hof, dass alle Leute außer der Bäuerin beim Heumachen waren; sie war daheim und hütete den Hof mit ihrem Sohn, der im dritten oder vierten Jahr war. Dieser Junge war bisher gewachsen und gediehen; er konnte schon gut sprechen, war aufgeweckt und ein sehr vielversprechendes Kind. Die Frau hatte verschiedene andere Arbeiten auf dem Hof zu verrichten und konnte sich nicht nur um ihr Kind kümmern. Sie ging zu einem Bach in der Nähe um die Milchkübel auszuwaschen und ließ das Kind am Hauseingang zurück. Nach einer Weile kam sie zurück, und als sie sich ihrem Kind zuwandte heulte und schrie es heftiger, als sie es gewohnt war. Zuvor war es ein besonders braves Kind, doch nun hörte sie nur Schreien und Plärren von ihm.    Es verging einige Zeit, ohne dass das Kind ein Wort sagte, es war störrisch und nörgelig und sie wusste nicht, was sie davon halten sollte; es wuchs auch nicht und benahm sich sehr seltsam.     Die Frau wurde darüber sehr traurig und beschloss ihre Nachbarin zu fragen, die als sehr klug und erfahren galt. Sie erzählte ihr von dem Kummer, den sie hatt und alle Umstände die sich seit damals zugetragen hatten. Die Nachbarin hörte sich alle an und sagte dann: "Meinst du nicht, dass der Junge ein Wechselbalg ist? Ich glaube nämlich, dass er ausgetauscht wurde, während du ihn allein am Haus zurück gelassen hast." "Ich weiß es nicht, aber wie kann ich es herausfinden?" fragte die Mutter. "Du musst das Kind einmal allein zurücklassen und es etwas Seltsames entdecken lassen, dann wird es etwas sagen, wenn es keinen um sich herum sieht. Du aber musst es belauschen und herausfinden, was es sagt. Wenn es dir merkwürdig und verdächtig vorkommt, dann musst du es unbarmherzig verprügeln, bis sich etwas ändert." So beendeten sie das Gespräch, und die Mutter des Jungen ging nach Hause. Daheim angekommen stellte sie in der Küche einen kleinen Topf mitten auf den Boden, nahm mehrere Besenstiele und band sie so aneinander, dass bis in den Schornstein der Küche reichten, an den untersten band sie einen Kochlöffel und stellte alles in den kleinen Topf. Dann holte sie den Jungen und ließ ihn allein in der Küche zurück, ging hinaus und versteckte sich so, dass sie durch einen Spalt in der Tür das Kind beobachten konnte. Dieses tippelte um den Topf herum und begutachtete das Gebilde. Dann sagte es: "Jetzt bin ich so alt, wie man an meinem Bart sehen kann, und der Vater von achtzehn Kindern im Elfenreich, aber ich habe noch nie so einen langen Kochlöffel in so einem kleinen Topf gesehen!" Da ging die Frau in die Küche, nahm eine Rute und schlug lange und unbarmherzig auf das Kind ein, so dass es fürchterlich schrie. Als die Frau den Jungen eine Weile verprügelt hatte kam eine fremde Frau in die Küche mit einem schönen Buben auf dem Arm. Sie herzte das Kind und sagte zu der Mutter: "Wir verhalten uns unterschiedlich, ich wiege dein Kind du aber schlägst meinen Mann!" Mit diesen Worten setzte sie den Sohn der Bäuerin auf den Boden und nahm ihren Mann mit und beide verschwanden gleich. Der Junge aber wuchs bei seiner Mutter auf und wurde ein tüchtiger Mann.