"Nicht
fahrend und nicht reitend...."
Es war einmal ein Königssohn
der hatte um die Hand eines Mädchen angehalten. Doch als er sie
gut genug kennen gelernt hatte, war er plötzlich der Meinung
er solle das Heiraten bleiben lassen und so wollte er sie wieder loswerden.
Ihm war aus irgend einem Grunde das hübsche Mädchen plötzlich
nicht mehr fein genug! Weil er sich aber nicht traute ihr dies offen
zu sagen, versuchte der Königssohn es auf eine elegante Art.
Er sagte zu ihr das er sie zur Frau nehmen wolle, wenn sie zu ihm
käme und zwar: nicht fahrend und nicht reitend, nicht gehend
und nicht rodelnd, nicht hungrig und nicht satt, nicht nackend und
nicht bekleidet, aber auch weder am Tage noch in der Nacht! Als die
überraschte Braut diese Worte hörte, war sich der Königssohn
sicher, dass sie die ihr gestellte Aufgabe nie und nimmer lösen
würde. Sie aber war nicht nur hübsch, sondern auch sehr
schlau. Zuerst nahm sie ein Gerstenkorn und aß es. Jetzt war
ihr Magen nicht mehr nüchtern, aber sie war auch nicht satt.
Danach besorgte sie sich ein Netz aus Wolle und warf es sich über
ihren Körper und somit war sie weder nackt aber auch nicht bekleidet.
Dann ging sie in den nahe gelegenen Stall, nahm sich einen Schafbock
und setzte sich auf ihn und stakte so mit dem Schafbock unter ihrem
Körper in Richtung Schloss, während sie ihre Beine auf dem
Boden hinter sich her schleifen ließ. Damit sie aber auch die
letzte Bedingung des Königssohn erfüllte, machte sie die
ganze Aktion auf der Grenze zwischen Tag und Nacht. Genau zu jenem
Zeitpunkt, an dem die erste Dämmerung anbrach. Als sie in ihrer
eigenartigen Aufmachung das Schlosstor erreicht hatte und den Königssohn
sprechen wollte, mochte ihr die Schlosswache nicht aufmachen. Denn
zu skandalös sah sie in ihrer wunderlichen Aufmachung aus und
es entstand schließlich ein heftiger Wortwechsel der immer lauter
wurde. So laut, das schließlich sogar der Königssohn davon
wach wurde. Neugierig begab er sich an sein Fenster und blickte hinunter
zum Eingang. Als das Mädchen ihn hinter der Fensterscheibe erkannte,
stakte sie mit dem Schafbock genau unter das Fenster des Königssohn,
drehte dem Bock ein Horn ab, stellte sich flugs auf seinen Rücken
und klopfte mit dem Horn kräftig an die Fensterscheibe. Da musste
man das Mädchen schließlich einlassen und der Königssohn
sie zu seiner Prinzessin machen.
(Frei
übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt -
gelesen in: www.maerchen.de)
"Der
Teufel und der Vogt"
Es war einmal ein Vogt
der überall gefürchtet und verhasst war. Ein Leuteschinder
wie man ihn nie zuvor erlebt hatte. So war es nicht weiter verwunderlich,
das eines Tages der Teufel kam und den Menschenschinder holen wollte.
Als der Teufel den Vogt erblickte, sprach er ihn an und sagte: "Die
Leute haben mir schon viel schlechtes von dir berichtet und sie sagen,
das dich der Teufel holen soll! Deshalb musst du jetzt mit mir gehen!
Denn du bist bereits so schlecht und bösartig, das du schlimmer
gar nicht mehr werden kannst!" Da antwortete der Vogt mit triefender
Stimme: "Wenn du auf alles hörst was die Leute so reden
wenn der Tag lang ist, hast du mehr zu laufen als dir lieb ist. Aber
wenn du so ein netter Mann bist und alles machst, was die Leute wollen,
werde ich vielleicht noch einmal davon kommen." Da der Vogt zudem
ein Mann war, der sehr gut reden und die Leute beschwatzen konnte
und der Teufel auch noch ein ziemlich gutmütiger Geselle war,
einigten sie die Beiden schließlich ein kleines Stück Weg
zusammen zu gehen. Jedes mal, wenn ihnen ein Mensch begegnete und
fluchte, das der Teufel jemanden holen soll, dann sollte der Teufel
dies tun und dafür den Vogt laufen lassen! Aber dieser Wunsch
musste auch von Herzen kommen, so die Bedingung des Teufels. Als der
Vogt und der Teufel bereits ein gutes Stück Weg gelaufen waren,
erreichten sie eine kleine Hütte, vor der eine alte Frau gerade
Butter zubereitete. Als die Frau die fremden Leute kommen sah, schaute
sie neugierig zu ihnen hinüber und vergaß dabei auf ihr
kleines Hausschwein zu achten, das just im selben Moment seine Schnauze
in das Butterfass steckte und es dabei um stieß. Schmatzend
machte es sich gleich über den Rahm her, während die Bäuerin
laut fluchend anfing zu schimpfen: "Gibt es ein schlimmeres Raubtier
als so ein nichtsnutziges verfressenes Schwein? Der Teufel soll dich
holen!"Als der Vogt die Worte der alten Frau hörte, sah
er den Teufel und sprach: "Also Teufel! Nehme dir das Schwein
und lass mich laufen!" der Teufel aber sagte: "Glaubst du
wirklich sie gönnt mir das saftige Schweinefleisch? Nehme ich
das Schwein, was hätte die arme Frau dann im Winter wohl zu essen?
Nein, nein! Diese Worte kamen nicht von Herzen!" Kurze Zeit später
erreichten der Teufel und der Vogt die nächste Hütte. Hier
hatte gerade ein kleiner Junge richtigen Blödsinn gemacht und
seiner Mutter einen Streich gespielt. Schon von weitem hörten
der Teufel und der Vogt die Mutter schimpfen und rufen: "Oh wie
ich dich satt habe! Immer muss ich auf dich aufpassen, sauber machen
und hinter dir herwischen! Der Teufel soll dich holen!" "Also
hole dir den Jungen!" sprach da der Vogt und schaute dabei den
Teufel frohgemut an. "Nein! Wenn eine Mutter auf ihr Kind schimpft,
dann kommt es nicht wirklich von Herzen." und verweigerte dem
Vogt seinen Wunsch indem er wieder ablehnte. Also gingen sie weiter
des Weges und der Vogt sann über einen Ausweg nach. Gerade als
sie in eine Wegbiegung kamen, begegneten ihnen zwei Bauern die sich
unterhielten."Dort kommt unser Vogt!" sagte der eine Bauer.
"Ja, der Teufel soll ihn bei lebendigen Leib holen!" entgegnete
der andere Bauer. "Das kam von Herzen!" sprach darauf der
Teufel und nahm den Vogt für immer mit in die Hölle. Denn
jetzt half dem Vogt kein Bitten und kein Bettel, so laut und verzweifelt
er dabei auch schrie. Er musste mit! (Frei
übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt - gelesen
in www.maerchen.de)
"Per
und das Wettessen mit einem Troll"
Auf einem Hof weit oben im Norden Europas lebte ein Bauer mit seiner
Frau und seinen drei Söhnen. Der Bauer und seine Frau waren bereits
sehr alt und betagt und es ging ihnen nicht gut. Der Hof war verschuldet
und auch die Vorratskammer nur kärglich gefüllt. Also rief
eines Tages der Bauer seine Söhne zu sich und sprach: "Wir
haben doch auf unserem Anwesen noch diesen schönen Wald unten
am Fjord. Wir sollten die Bäume fällen und damit endlich
unsere Schulden bezahlen und auch die Vorratskammer für den Winter
könnten wir aus dem Erlös des Holzverkauf dann wieder ordentlich
füllen. Doch seine Söhne waren nicht so fleißig wie
der Bauer. Sie liebten eher das Nichtstun und lagen die meiste Zeit
nur faul in der Sonne. So dauerte es einige Zeit, denn der Bauer musste
seine Söhne immer wieder drängen endlich einmal zu arbeiten,
bis sich eines Tages doch noch der älteste Sohn dazu bequemte
hinunter an den Fjord zu gehen, um die ersten Bäume zu fällen.
Als dieser jedoch unten am Fjord den Wald ereichte, stand plötzlich
zwischen den Bäumen ein großer Troll und sagte: "Das
ist mein Wald, und wenn du nur einen einzigen Baum davon fällst,
werde ich dich erschlagen!" Als der älteste Sohn diese Worte
vernahm, erschrak er fürchterlich, lies seine Axt fallen und
rannte voller Angst nach Hause. Völlig außer Atem kam er
zu Hause an, wo ihn der Vater bereits erwartete. Als dieser hörte
das sein Ältester vor einem Troll davon gerannt war, schalt er
ihn einen Feigling und meinte, dass ihm so etwas früher nie passiert
wäre.Am nächsten Tag machte sich der zweite Sohn auf dem
Weg um sein Glück zu versuchen. Aber auch ihm erging es nicht
viel besser als seinem älteren Bruder. Denn kaum hatte er den
ersten Axtschlag gegen eine alte Tanne getan, stand plötzlich
wieder dieser übergroße Troll zwischen den Bäumen
und sagte: "Das ist mein Wald, und wenn du auch nur einen einzigen
Baum stehlen wirst, werde ich dich erschlagen!" Als der Bauernbursche
diese Worte vernahm, bekam er eine so große Angst, das er sich
noch nicht einmal getraute den Troll anzusehen. Laut schreiend ließ
er seine Axt fallend und ergriff die Flucht. Daheim hatte der Vater
bereits auf ihn gewartet. Als er sah das auch sein zweiter Sohn unverrichteter
Dinge nach Hause gekommen war, schalt er ihn einen Feigling, und meinte
kopfschüttelnd, das ihm in seiner Jugend so etwas nicht passiert
wäre.Am dritten Tag wollte Aschenper sein Glück versuchen.
Er war der jüngst Sohn des Bauern und ein rechter Träumer.
Meist saß er stundenlang am offenen Feuer und stak gedankenverloren
mit einem Stück Holz in der Glut. So war es auch nicht verwunderlich,
das er mit der Zeit den Spitznamen Aschenper bekommen hatte, weil
er ja immer in der Asche herum stocherte. Doch bevor er sich auf den
Weg machte, bat er seine Mutter noch um etwas Wegzehrung, während
seine Brüder bereits laut über ihn lästerten: "Ach
du kleiner Träumer, wieso denkst denn du, das ausgerechnet dir
das gelingt, was schon wir nicht geschafft haben? Du hast den Hof
doch noch nie verlassen, geschweige denn einen Troll gesehen. Der
wird dich schnell davon jagen, und wir werden dich rennen sehen wie
einen Hasenfuss!" Aber statt seinen Brüdern zu antworten,
zog es Aschenper lieber vor zu schweigen und dachte sich seinen eigenen
Teil. Nachdem er seine Wegzehrung von seiner Mutter erhalten hatte,
ein großes Stück Molkekäse, packte er diesen in seinen
Rucksack aus Fell, schulterte ihn auf seinen Rücken und machte
sich schließlich auf den Weg. Es dauerte nicht lange und er
hatte den Waldrand unten am Fjord erreicht. Kaum war er dort angekommen,
legte er seinen Rucksack auf einen nahem Baumstumpf, packte seine
Axt aus und begann mit der Arbeit. Er hatte bereits die ersten Schläge
an einem fast zwanzig Meter hohen Baum getan, als plötzlich auch
schon wieder dieser übergroße Troll zwischen den Bäumen
auftauchte und die gleichen Worte sagte, wie die Tage zuvor zu seinen
beiden Brüdern: "Das ist mein Wald! Wenn du nur einen einzigen
Baum daraus fällst, werde ich dich töten!" Doch Aschenper
war nicht auf den Mund gefallen und Angst hatte er auch keine. Er
eilte zu seinem Rucksack, holte den Molkekäse heraus und drückte
diesen, so stark er konnte, mit beiden Händen zusammen und das
Wasser spritzte nur so heraus. "Hast du gesehen wie stark ich
bin? So wie ich diesen weißen Stein zusammendrücke, werde
ich es auch mit dir tun, wenn du nicht sofort still bist!" Da
bekam der Troll einen gehörigen Schreck und bettelte: "Ach
bitte verschone mich, ich werde dir dafür auch bei deiner Holzfällerarbeit
helfen!" Also gut, dachte sich Aschenper, wenn er mir hilft,
werde ich ihn verschonen. Die beiden legten sich darauf richtig ins
Zeug und auch der Troll war recht fleißig und am Abend hatten
sie fast zwei ganze Holzstapel sauber aufgereiht vor sich stehen.
Als die Sonne langsam rötlich unterging und der Wald bereits
in einem immer dunkler werdenden Grau vor ihnen lag, und die Nacht
immer näher kam, meinte der Troll: "Es ist Zeit zum Feierabend
machen, lass uns zu mir gehen, denn mein Weg nach Hause ist bei weitem
nicht so weit, wie dein Heimweg."Also gut, dachte sich Aschenper
und ging mit dem Troll mit. Nach einiger Zeit erreichten sie die Höhle
des Troll und dieser machte sich daran ein Lagerfeuer zu entfachen.
Zur gleichen Zeit sollte der Bauernsohn Wasser für eine Weizengrütze
holen. Doch die dafür vorgesehenen Eisenkessel waren so schwer,
das der Junge sie unmöglich alleine hätte anheben können.
Also sagte Aschenper, schlitzohrig wie er war, zum Troll: "Hast
du nur diese kleinen Töpfe zum Wassertransport? Damit lohnt es
sich ja gar nicht Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen? Wie oft
soll ich mit diesen kleinen Behälter denn dann zum Brunnen laufen?
Am besten ist es, wenn ich gleich den ganzen Brunnen in die Höhle
hole!" Da bekam der Troll einen Schreck und antwortete eilig:
"Nein, tu das nicht lieber Freund. Ich möchte den Brunnen
doch noch behalten. Dann mach du lieber das Feuer und ich hole Wasser!"
Nachdem der Troll das Wasser geholt hatte, machten sich die Beiden
eine wunderbare Weizengrütze. So gut und so viel, dass der Eisenkessel
bis zum Rand gefüllt war. Nachdem die Grütze fertig war,
meinte Aschenper zum Troll:"Was denkst du? Wollen wir nicht um
die Wette essen?" "Oh ja!" sprach der Troll, denn er
war sich sicher, endlich einmal gegen den Bauernsohn gewinnen zu können.
Also setzten sich Aschenper und der Troll an den Tisch und der Troll
begann die Teller zu füllen, während Aschenper heimlich
seinen mit Fell bezogenen Rucksack zu sich holte und ihn vor seinen
Bauch band. Beim Essen, aber schüttete der Junge den Großteil
der Weizengrütze immer Löffelweise in den Rucksack und nur
ab und zu in seinen Mund. Nachdem der Rucksack voll mit herrlicher
Grütze war, nahm der Junge ein Messer und schnitt ein Loch in
seinen aus Fell bestehenden Rucksack. Der Troll beobachtete den Bauernsohn
bei seinem Tun ohne jedoch dazu etwas zu sagen und löffelte weiter
still seine Grütze in sich hinein. Nach einiger Zeit gab der
Troll einen lauten Rülpser von sich, legte seinen Löffel
zur Seite und meinte schwer schnaufend: "Jetzt bin ich aber voll
bis obenhin, satt bis zum Überdruss, ich kann wirklich nicht
mehr essen!" "Das ist schon alles?" entgegnete der
Junge. "Ich bin ja noch nicht einmal halb satt. Am besten du
machst es wie ich! Schau nur, du schneitest dir einfach ein Loch in
den Bauch, und schon kannst du weiter essen, und zwar soviel wie du
möchtest!" Doch der Troll zögerte und fragte zweifelnd
den Jungen: "Tut das denn nicht grässlich weh? So ein Loch
mitten im Bauch?" "Ach was, es ist überhaupt nicht
der Rede wert!" gab Aschenper zur Antwort. Da nahm der Troll
ein Messer vom Tisch und schnitt sich damit seinen Bauch auf. Kaum
hatte er dies getan, musste er qualvoll sterben. Denn welches vernünftige
Wesen schneitet sich schon den Bauch freiwillig auf? Als der Troll
tot war, nahm Aschenper all das ganze Gold und Silber das der Troll
in all den Jahren in seiner Höhle angehäuft hatte und begab
sich auf den Weg nach Hause. Dort war das Staunen seiner Brüder
groß und seine Eltern freuten sich ihren jüngsten Sohn
wieder wohl behalten bei sich zu haben.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben
sie noch heute glücklich und zufrieden irgendwo an einem nordischen
Fjord, denn Not mussten sie jetzt nicht mehr leiden!
(Frei
übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt -
gelesen in: www.maerchen.de)
"Der
Pfarrer und der Glöckner"
Es war einmal ein Pfarrer und der war ein gar schlimmer Mann. Jedes
mal wenn er mit seinem Pferdegespann samt Wagen unterwegs war und
ihm kam jemand auf der engen Straße entgegengefahren, dann schrie
er bereits von weitem lauthals: "Aus dem Weg! Platz gemacht!
Hier kommt der Pfarrer!" Doch eines Tages geschah es, das ihm
der König selbst entgegen fuhr. Schon von weitem schrie der Pfarrer,
nichts ahnend das es der König war der ihm da entgegen kam: "Platz
gemacht! Ich bin es, der Pfarrer! Also geht mir aus dem Weg und macht
Platz!" Doch der König war eben der König! Und der
König fuhr einfach geradewegs weiter und dem Pfarrer blieb also
nichts anderes übrig, als sein Pferd auf die Seite zu lenken
und selber Platz zu machen. Dem König war die Dreistigkeit des
Pfarrers aber nicht entgangen und so sagte er beim Vorbeifahren zum
Pfarrer: "Morgen hast du dich auf dem Königshof zu melden!
Ich werde dir dann für deine Frechheit drei Fragen stellen. Kannst
du diese dann nicht beantworten, so werde ich dich für deinen
Hochmut bestrafen lassen und wirst deinen Mantel samt Kragen verlieren!"
Ja, das war eine andere Sprache, als sie der Pfarrer es sonst gewohnt
war! Rumschreien, grölen und die kleinen Menschen herunterputzen
und ihnen derb und grob kommen, das konnte er! Aber Rede und Antwort
stehen? Das war nicht sein Fall! Voller Sorgen und Angst vor dem König
fuhr er schließlich weiter nach Hause. Dort begab er sich eilig
zum Glöckner der bei den Leuten im Ruf stand, mehr Verstand als
der Pfarrer zu haben! Beim Glöckner angekommen sagte er zu ihm:
"Ich soll zum König und ihm drei Fragen beantworten! Aber
ich habe keine rechte Lust zu dieser Fahrt. Denn ein Narr fragt mehr
als zehn Weise beantworten können!" Da der Glöckner
zudem ein hilfsbereiter Mensch war, willigte dieser schließlich
ein und fuhr an Stelle des Pfarrer am nächsten Tag zum Königshof.
Damit der Schwindel aber nicht aufflog, gab der Pfarrer dem Glöckner
auch noch seinen Mantel samt Kragen mit auf den Weg. Angetan mit dem
Mantel und Kragen des Pfarrers erschien der Glöckner schließlich
am Hofe des König, wo ihn dieser bereits mit aufgesetzter Krone,
prächtig gekleidet und mit dem Zepter in der Hand erwartete.
"Na, da bist du ja endlich", sprach der König und fing
auch schon gleich mit seinen drei Fragen an! "Sage mir als erste
Antwort, wie weit ist es von Osten bis nach Westen?" - "Eine
Tagesreise", antwortete der Glöckner und der erstaunte König
fragte: "Wieso?" - "Nun, die Sonne geht weit im Osten
auf und im Westen unter und das macht sie bequem an einem einzigen
Tag!" Nachdem sich der König mit der Antwort zufrieden geben
musste, kam schließlich auch gleich seine nächste Frage:
"Sage mir, was ich wohl Wert bin in all meiner Pracht samt Krone,
Zepter und goldener Kleidung in der du mich hier siehst?" - "Jesus
Christus wurde einst auf dreißig Silberlinge geschätzt!
Da kann ich dich als König wohl nicht höher bewerten als
neunundzwanzig Silberlinge", war die Antwort des Glöckner
und der immer noch erstaunte König sprach ob der klugen Worte
seines Gegenüber: "Nun gut! Aber wenn du wirklich so gut
und überaus klug bist, dann kannst du mir doch sicherlich auch
sagen, was ich gerade denke?" Da antwortete der Glöckner:
"Doch, auch das weiß ich. Du denkst der Pfarrer steht vor
dir! Aber entschuldigt bitte, denn ich kann nichts dafür und
ihr denkt falsch. Ich bin in Wirklichkeit der Glöckner!"
Da sprach der König zum Glöckner: "In Ordnung. Dann
mach, dass du nach Hause kommst und sei ab heute du der Pfarrer und
lass den anderen Glöckner sein!" So kam es schließlich,
das von nun an aus dem Glöckner ein bis ans Ende seiner Tage
guter und allseits beliebter Pfarrer wurde, der seiner Gemeinde immer
mit kluge Ratschläge und guten Taten hilfreich zur Seite stand.
(Frei übersetzt aus der nordischen Märchen und Sagenwelt
- gelesen in:
www.maerchen.de )
"Die
Katze auf dem Dovreberg"
Es war einmal ein Mann der weit im Norden lebte. Genau in jenem Teil
Norwegens, den man noch heute die Finnmark nennt. Eines Tages fing
dieser Mann einen Eisbären und er beschloss, den Eisbären
dem König von Dänemark als Geschenk zu bringen. Also machte
er sich mit dem Eisbären auf den Weg. Nachdem er bereits ein
gutes Stück des Weges zurückgelegt hatte, brach früh
die Dämmerung herein und er beschloss für sich und den Eisbären
eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Als er nicht weit von
sich eine Holzhütte sah, hinter deren Fenster ein Licht brannte,
ging er auf sie zu und klopfte an die Tür. Es war das Haus von
Halvor und der Zufall wollte es, das sich die Geschichte von der ich
hier berichte, sich genau am Julabend zutrug. Für jene von euch,
die nicht wissen was mit dem Julabend gemeint ist, sei auch dieses
Geheimnis gelüftet. So nennt man in Norwegen den Weihnachtsabend.
Und wie bei uns in Deutschland, ist auch Norwegen an diesem Abend
der Tisch mit vielerlei Köstlichkeiten und gutem Essen reichlich
gedeckt. Nachdem der Mann mit seinem Eisbären um eine Unterkunft
gebeten hatte, antwortete Halvor voller Entsetzen: "Um Gottes
Willen. Ich würde euch ja gerne helfen! Aber am Julabend kommen
immer so viele Trolle zu uns ins Haus, das wir selber flüchten
müssen und die ganze kalte Nacht im Wald verbringen müssen
und selber kein Dach über dem Kopf haben!" "Ach, da
macht euch mal keine Sorgen guter Mann. Deswegen kannst du mich ruhig
bei dir übernachten lassen. Ihr könnt ruhig die Nacht im
tiefen Wald verbringen, ich aber kann ja im Alkoven schlafen und der
Bär hinter dem Ofen." Wobei ich anmerken möchte, das
man unter dem Wort Alkoven einen Bett ähnlichen Platz über
dem Ofen versteht, ähnlich einer Schlafnische, wie man sie auch
heute noch in alten Bauernhäuser von Russlands vorfindet.Halvor
war zunächst sehr skeptisch. Auch wollte er nicht, das seinem
späten Gast womöglich von den Trollen ein Leid angetan wurde.
Der Mann mit dem Eisbär aber redete so lange auf Halvor ein,
bis dieser schließlich einwilligte. Danach ging Halvor mit seiner
Familie in den tief verschneiten Wald, während sein Gast mit
dem Eisbär das Haus betrat. Drinnen war es angenehm warm und
der Tisch war festlich gedeckt. Halvor und seine Familie hatten den
Tisch überaus reichlich gedeckt um die Trolle friedlich zu stimmen.
Da standen Julgrütze, eine Kanne voller köstlichen Rahm,
gelauchter Kabeljau, ein selbst gebackenes und noch warmes Brot und
verschiedene Sorten von Wurst. Es dauerte auch nicht lange und zu
vorgerückter Stunde kamen die ersten Trolle. Einige waren groß,
dick und stark behaart und andere klein. Manche von ihnen hatten einen
dicken, kugelrunden Bauch und wieder andere ein dickes Hinterteil,
während wieder andere keins hatten. Dann wieder gab es Trolle
mit einer langen Nase, während andere wieder einen richtigen
Nasenstumpen in der Gesichtsmitte hatten, der sehr an eine zu groß
geratene Kartoffel erinnerte. Aber wie sie auch aussahen, alle langten
voller Heißhunger zu und ließen es sich gut schmecken.
Das Geschmatze, Geschlürfe und Gelächter war so laut, das
man es noch bis tief in die nordischen Wälder hören konnte.
Nur der fremde Gast und sein Eisbär bekamen davon nichts mit.
Denn von ihrem langen Fussmarsch waren sie redlich müde und schnell
und ermüdet in einen tiefen Schlaf gefallen. Plötzlich bemerkte
eines der Trollkinder den Eisbären hinter dem Ofen und bestaunte
es voller Neugier. Dann ging es flugs zum Tisch, nahm eine Wurst,
steckte sie auf einen Spies und briet diese über dem offenen
Feuer des Ofen. Mit dem Spies in der Hand ging das Trollkind schließlich
voller Übermut wieder zu dem schlafenden Eisbär und hielt
dem ahnungslosen Tier die Wurst so nah unter die dicke Nase, das diese
angesenkt wurde. Dabei lachte das kleine Trollkind voller Freude und
rief laut: "Willst du eine Wurst haben? Du süße große
Katze!" Da fuhr der Eisbär wütend und mit lautem Brummen
hoch und jagte alle Trolle aus dem Haus. Am nächsten Morgen waren
noch so viele Köstlichkeiten da, das nicht nur der Gast mit seinem
Eisbären genug zu essen hatten, sondern auch Halvor und seine
Familie, die sich nach ihrer Rückkehr sehr wunderten, weshalb
von all den Speisen noch so viel übrig geblieben war, das die
Trolle einige scheinbar gar nicht angerührt hatten? Nachdem der
Gast mit seinem Eisbär das Haus verlassen hatten und ein weiteres
Jahr ins Land gegangen war, begab es sich, das Halvor wieder am Nachmittag
des Julabend in den Wald zog um Holz für den Julabend zu besorgen,
während seine Frau bereits den Tisch zum Abendessen festlich
deckte. Halvor war gerade dabei einen weiteren Baum für sein
Brennholz zu fällen als er seinen Namen rufen hörte: "Halvor!
Halvor!" Erstaunt hob Halvor seinen Kopf, blickte sich um und
antworte: "Ja? Was ist denn?" Denn nur einige Meter von
ihm entfernt stand ein Troll und rief ihm zu: "Halvor? Hast du
noch deine große weiße Katze die so laut und fürchterlich
brummt?" Da wusste Halvor Bescheid und antwortete mit einem fröhlichen
Grinsen im Gesicht: "Ja natürlich! Die liegt unterm Ofen
und hat inzwischen sieben Junge geworfen! Die sind schon größer
und viel wilder als sie selbst!" "Dann kommen wir nicht
mehr zu dir!" rief der Troll ängstlich zwischen Bäumen
hervor und verschwand im Unterholz. Seit jenem Tag haben die Trolle
auf den festlich geschmückten Tisch von Halvor und seiner Familie
verzichtet. Halvor, seine Frau und seine Kinder konnten von nun an
jeden Julabend voller Freude ungestört genießen.
(Frei übersetzt aus der nordischen Märchen
und Sagenwelt -
gelesen in: www.maerchen.de)
Sagen und Märchen
aus Island
alle
entnommen aus dem Buch "Sagen und Märchen aus Island"
herausgegeben
1980 von Iceland Review, Reykjavik, Island
übersetzt
von Hubert Seelow
Die
Elfenfrau im Kindbett
Im
Osten, man sagt in Oddi, holte ein Mädchen eines Abends Wäsche
vom Kirchhof; und gerade als sie die Wäsche nehmen wollte, kam
ein Mann zu ihr, den sie nicht kannte. Er nimmt sie bei der Hand und
bittet sie, mit ihm zu kommen und sagt, es werde ihr nichts geschehen,
"aber wenn du es nicht tun willst," sagt er, "dann
wist du sehen, dass sich dein Glück wendet." Das Mädchen
wagte nicht, ihm seine Bitte abzuschlagen, und geht mit ihm, bis sie
zu einem Hof kommen, wie ihr schien, in Wirklichkeit war es aber ein
Hügel; dann gehen sie zum Eingang des Hauses; er führt sie
hinein und durch einen langen Gang, bis sie in die Badstube kamen.
Am einen Ende der Badstube war es so dunkel, dass sie nichts sehen
konnte, doch am anderen Ende brannte Licht. Dort sah sie eine Frau
in den Wehen liegen, die stähnte und konnte ihr Kind nicht gebären.
Neben ihr sah sie eine alte Frau, die war sehr betrübt. Der Mann,
der das Mädchen geholt hatte sagte zu ihr: "Geh hin und
hilf meiner Frau, dass sie das Kind gebiert." Das Mädchen
ging dorthin, wo die Frau lag, die alte Frau aber ging fort, und das
Mädchen trat hinzu und knetete die Frau, die in den Wehen lag,
um ihr zu helfen, und wie sie wußte, dass es nötig war;
da ging es der Frau schnell besser, so dass das Kind bald geboren
wurde. Und als das Kind geboren war, kam der Vater des Kindes mit
einem Glas und sagte, sie sollte dem Kind vom Inhalt des Glases auf
die Augen streichen, warnte sie aber davor, etwas davon in ihre Augen
kommen zu lassen. Sie strich dem Kind vom Inhalt des Glases auf die
Augen, doch als sie das getan hatte, rieb sie sich mit dem Finger
über das eine Auge. Da sah sie mit diesem Auge, dass auf der
anderen Seite der Badstube viele Leute waren. Der Mann nahm ihr das
Glas ab und trug es fort, kam dann wieder und dankte ihr für
ihre Hilfe, und ebenso die Frau. Sie sagten, sie würde eine glückliche
Frau werden. Er schenkte ihr dann Stoff für eine Schürze,
wie sie noch nie einen gesehen hatte. Dann nahm er sie bei der Hand
und führte sie fort, bis er mit ihr zu dem Kirchhof kam, von
dem er sie weggeführt hatte, und geht dann fort, sie aber geht
heim zum Pfarrhof.
Im
Winter darauf starb die Frau des Pfarrers, der dort war, und dieses
Mädchen wurde seine neue Frau. Oft sagte sie, sie sähe Elfen.
Immer wenn sie sah, dass sie ihr ausgebreitetes Heu bei sich zusammenrechten,
dann ließ auch sie das Heu bei sich zusammenrechen, denn kann
kam bald Regen, auch wenn die Luft klar war. Einmal ritt sie mit ihrem
Mann, dem Pfarrer, in die Stadt. Als sie einkaufte, sah sie dort den
besagten Elfenmann, wie er Waren aus dem Laden des Elfenkaufmanns,
der dort war, heraustrug. Da beging sie den Fehler, dass sie ihn grüßte
und sagte: "Guten Tag, mein Freund, wir haben uns lange nicht
gesehen." Da ging er zu ihr hin, steckte rasch einen Finger in
den Mund und strich ihr damit über das Auge, sie aber wurde dadurch
so, dass sie von da an nie mehr Elfen oder deren Taten sah.
Vater
von achtzehn Kindern im Elfenreich
Es
war eines Sommers auf einem Hof, dass alle Leute außer der Bäuerin
beim Heumachen waren; sie war daheim und hütete den Hof mit ihrem
Sohn, der im dritten oder vierten Jahr war. Dieser Junge war bisher
gewachsen und gediehen; er konnte schon gut sprechen, war aufgeweckt
und ein sehr vielversprechendes Kind. Die Frau hatte verschiedene
andere Arbeiten auf dem Hof zu verrichten und konnte sich nicht nur
um ihr Kind kümmern. Sie ging zu einem Bach in der Nähe
um die Milchkübel auszuwaschen und ließ das Kind am Hauseingang
zurück. Nach einer Weile kam sie zurück, und als sie sich
ihrem Kind zuwandte heulte und schrie es heftiger, als sie es gewohnt
war. Zuvor war es ein besonders braves Kind, doch nun hörte sie
nur Schreien und Plärren von ihm. Es verging
einige Zeit, ohne dass das Kind ein Wort sagte, es war störrisch
und nörgelig und sie wusste nicht, was sie davon halten sollte;
es wuchs auch nicht und benahm sich sehr seltsam.
Die Frau wurde darüber sehr traurig und beschloss ihre Nachbarin
zu fragen, die als sehr klug und erfahren galt. Sie erzählte
ihr von dem Kummer, den sie hatt und alle Umstände die sich seit
damals zugetragen hatten. Die Nachbarin hörte sich alle an und
sagte dann: "Meinst du nicht, dass der Junge ein Wechselbalg
ist? Ich glaube nämlich, dass er ausgetauscht wurde, während
du ihn allein am Haus zurück gelassen hast."
"Ich weiß es nicht, aber wie kann ich es herausfinden?"
fragte die Mutter. "Du musst das Kind einmal allein zurücklassen
und es etwas Seltsames entdecken lassen, dann wird es etwas sagen,
wenn es keinen um sich herum sieht. Du aber musst es belauschen und
herausfinden, was es sagt. Wenn es dir merkwürdig und verdächtig
vorkommt, dann musst du es unbarmherzig verprügeln, bis sich
etwas ändert." So beendeten sie das Gespräch,
und die Mutter des Jungen ging nach Hause. Daheim angekommen stellte
sie in der Küche einen kleinen Topf mitten auf den Boden, nahm
mehrere Besenstiele und band sie so aneinander, dass bis in den Schornstein
der Küche reichten, an den untersten band sie einen Kochlöffel
und stellte alles in den kleinen Topf. Dann holte sie den Jungen und
ließ ihn allein in der Küche zurück, ging hinaus und
versteckte sich so, dass sie durch einen Spalt in der Tür das
Kind beobachten konnte. Dieses tippelte um den Topf herum und begutachtete
das Gebilde. Dann sagte es: "Jetzt bin ich so alt, wie man an
meinem Bart sehen kann, und der Vater von achtzehn Kindern im Elfenreich,
aber ich habe noch nie so einen langen Kochlöffel in so einem
kleinen Topf gesehen!" Da ging die Frau in die Küche, nahm
eine Rute und schlug lange und unbarmherzig auf das Kind ein, so dass
es fürchterlich schrie. Als die Frau den Jungen eine Weile verprügelt
hatte kam eine fremde Frau in die Küche mit einem schönen
Buben auf dem Arm. Sie herzte das Kind und sagte zu der Mutter: "Wir
verhalten uns unterschiedlich, ich wiege dein Kind du aber schlägst
meinen Mann!" Mit diesen Worten setzte sie den Sohn der Bäuerin
auf den Boden und nahm ihren Mann mit und beide verschwanden gleich.
Der Junge aber wuchs bei seiner Mutter auf und wurde ein tüchtiger
Mann.